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Ratgeber-Info, Wandatmung?

Kapitel:: » Lüftung » Grundlagen » Luftqualität › Wandatmung?

Lüften durch die Außenwand?

Mit der Befürchtung, die „Atmungsfähigkeit der Außenwände" zu verlieren, wird leider von vielen die Wärmedämmung der Außenwände in Frage gestellt. Dabei wird unterstellt, dass durch Dämmschichten, insbesondere solche aus geschäumten Kunststoffen, die Abfuhr von Feuchtigkeit und die Raumluftqualität stark beeinträchtigt wird.

Was aber hat es tatsächlich mit der so genannten Atmungsaktivität bzw. -fähigkeit der Wände auf sich? Wie verhält es sich mit der Behauptung, dass die Praxis zeigen würde, nach dem Einbau solcher Dämmschichten käme es zu vielfältigen Feuchteschäden?

Diese meist sehr emotional vorgetragenen Vermutungen erweisen sich bei genauerer Betrachtung der Zusammenhänge als falsch. Dass schließt allerdings keineswegs aus, dass es durch unsachgemäßen Einbau von Dämmschichten zu Durchfeuchtungsschäden kommen kann.

Die Messwerte zeigen, dass die Raumluftfeuchte nicht vom gewählten Wandaufbau abhängt. Wandaufbauten:
  • EPS-WDVS Wärmedämm- Verbundsystem aus expandiertem Polystyrolschaum
  • MF- Mineralfaser
  • LHLZ Leichthochlochziegel (Poroton)
Quelle: Impulsprogramm Hessen
Verlässt man sich auf die "Wandatmung", also die Abfuhr von Wasserdampf über die Außenwand aus Poroton oder Gasbeton, wäre der Normalzustand nach einem Duschvorgang erst nach 15 bis 20 Tagen wiederhergestellt. Quelle: Impulsprogramm Hessen

Die Hauptursache für die Beständigkeit dieses Vorurteils ist die Angst vor feuchtigkeitsbedingten Bauschäden, die in den letzten Jahren auch zugenommen haben. Und diese Zunahme liegt zeitnah bei dem verstärkten Einsatz von Dämmstoffen. Ebenso wurden jedoch auch Fenster erneuert, Heizungen eingebaut, neues Mobiliar angeschafft, Bäder gefliest, die Anstrengungen zur Einsparung von Energiekosten vergrößert und Dämmstoffe falsch eingebaut.

Die Bedeutung der sogenannten "Außenwandatmung" für die Regulation von Luftfeuchtigkeitswerten im Winter wird extrem überschätzt, während die Bedeutung der Lüftung, also des Luftaustausches durch Öffnungen jeder Art, völlig unterschätzt wird.

Insbesondere der Begriff „Atmung" ist in diesem Zusammenhang irreführend, weil er von der Vorstellung eines funktionieren Luftaustausches durch die Außenwand ausgeht. Dieser ist zwar messbar, wird aber in seiner Bedeutung für die Verringerung der Luftfeuchtigkeit stark überbetont.

  • Der messbare, tatsächliche Luftdurchtritt durch Außenwände beträgt nur 1 % -2 % des für eine gesunde Luftqualität notwendigen Luftwechsels.
  • 98 % der erforderlichen Luftmenge zur Sicherung einer hygienischen Luftqualität müssen durch eine vernünftige Lüftung ausgetauscht werden.

Abbildung: Bundesverband Kalksandsteinindustrie eV, Hannover

 

Der Luftaustausch über Außenwände, Decken und Fußböden ist so gering, das eine brennende Kerze (sauerstoffverbrauchend) schon nach kurzer Zeit verlöschen würde.

Abbildung: Bundesverband Kalksandsteinindustrie eV, Hannover


Die Tauwassermenge die während der kalten Jahreszeit in eine Wand eingetragen wird ist bei einem ungedämmten bzw. gering gedämmten Haus wesentlich größer als bei einer gut gedämmten Konstruktion Quelle: Impulsprogramm Hessen
Quelle: Impulsprogramm Hessen

Tatsache ist: Wer sich auf die „Wandatmung" verlässt, lebt in einem sehr ungesunden, meist zu feuchten und schadstoffreichen Raumklima. Dies gilt um so mehr, wenn es sich um zentralbeheizte, mit modernen dichten Fenstern ausgestattete Wohnungen handelt.

Die wahren Ursachen für Durchfeuchtungen, die Zunahme von Raumluftschadstoffen und Schimmelpilzbelastungen bleiben sehr oft unerkannt.

Luftschadstoffe in Innenräumen...
Schimmel, Ursachen und Vermeidung...

siehe auch

Ist zentralbeheizte Luft zu trocken?
Was ist Wasserdampfdiffusion?

Bauphysik


Datum der letzten Änderung: 01.06.2005 | © by f.nowotka
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