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Ratgeber-Info, Vorbeugung von Schimmelpilz

Kapitel:: » Lüftung » Grundlagen » Schimmelpilz › Vorbeugung von Schimmelpilz

Maßnahmen zur Vorbeugung von Schimmelpilzbefall

Den typischen erdigen oder muffigen Geruch haben sie noch nicht, aber ... Die Spiegel beschlagen auffallend schnell, am Morgen zeigen die Fensterscheiben Kondenswassertröpfchen? Die Bierflasche aus dem Kühlschrank wird immer gleich feucht, wenn Sie sie herausnehmen? Eine repräsentative Sudie der Universität Jena ziegt, das mehr als 20% aller Wohnungen mehr oder weniger stark feuchtigkeitsbedingte Schimmelprobleme aufweisen - hinter Schränken, in Raumecken, Fensterlaibungen, unterhalb der Decke...



Dann ist es höchste Zeit, sich ein Hygrometer zu kaufen. Wozu Hygrometer gut sind und warum sie keinesfalls fehlen dürfen - siehe Luftfeuchte, Hygrometer.

 Falls Sie bereits ein Hygrometer besitzen, sollten Sie es auf die Zuverlässigkeit seiner Anzeige überprüfen. Dazu mehr in Hygrometereichung.

Wenn es bereits eine kritische Situation gibt und Sie hohe Luftfeuchtigkeitswerte um 60 % und mehr bemerken, beachten Sie bitte folgende Hinweise:

Erstens: Lüften Sie richtig, nicht länger!

Versuchen Sie das Lüften im Winter als einen Vorgang zu sehen, der nicht einfach ist und unter den Bedingungen dichter Fenster neu zu erlernen ist (Warum man Lüften neu lernen
muss).

  • Beachten Sie: Wirksam Lüften heißt warme Luft weg zu lüften. Denn nur warme Luft kann große Mengen Wasserdampf aufnehmen und abführen. Deshalb geben Sie der beim Lüften eingeflossenen Kaltluft die Chance sich zu erwärmen.
  • Der Luftaustausch ist bei niedrigen Außentemperaturen und weit geöffneten Fenstern in drei, vier Minuten abgeschlossen. Ein kurzer, aber intensiver Luftaustausch mit weit geöffneten Fenstern und möglichst im Durchzug ist energiesparend und baut die Luftfeuchtigkeit rasch ab. Vergessen Sie die Kippstellung der Fenster im Winter, denn mit ihr beginnen die Probleme.
  • Schon nach ein bis zwei Stunden ist der Kohlendioxidanteil und die Luftfeuchtigkeit der Raumluft soweit angestiegen, dass aus lufthygienischen Gründen ein Luftaustausch notwendig wird. Wenn Sie daheim sind, heißt dies also oft zu lüften, mindestens aber alle 2 Stunden in der oben beschriebenen Weise.
  • Auf eine kurze Formel gebracht: Lüften Sie im Winter kurz für 3 Minuten, mindestens alle zwei Stunden und mit weit geöffneten Fenstern. Geben Sie der eingeflossenen Kaltluft die Chance sich zu erwärmen.

Zweitens: Türen zu!

  • Lassen Sie die Türen zu weniger beheizten Räumen geschlossen. Versuchen Sie nicht Energie dadurch zu sparen, indem Sie vor dem zu Bett Gehen Wärme aus der Stube in den unbeheizten Schlafraum "umleiten". Sie verschleppen mit der warmen Luft sehr viel Feuchtigkeit in den Schlafraum, die an den kühleren Wänden kondensiert.
  • Lüften Sie das Schlafzimmer immer mit dem Schlafzimmerfenster, nicht über andere Räume (außer bei Durchzug).
  • Heizen Sie tagsüber Ihr Schlafzimmer etwas (16 °C bis 18 °C).
  • Stellen Sie keine Pflanzen und Blumen ins Schlafzimmer, hängen Sie im Schlafzimmer keine Wäsche zum Trocknen auf!!!
  • Die Tür zum Schlafzimmer sollte immer besonders gut, d.h. dicht schließen.

Drittens: Weg mit Luftbefeuchtern!

  • Trocknen Sie Wäsche möglichst nicht in der Wohnung, auch nicht die Handtücher, Wischlappen, Aufwaschtücher.
  • Vermeiden Sie häufiges Wischen.
  • Kochen Sie mit dicht schließenden Deckeln. Setzen Sie Wasserkessel mit Pfeife ein. Lassen Sie kein Wasser verkochen. Nutzen Sie statt der elektrischen Herdplatte Wasserkocher mit Abdeckung.
  • Stellen Sie eine Umlufthaube auf Abzugsbetrieb (Abzug nach außen) um. Nutzen Sie Ihre Ablufthaube auch 10 bis 20 Minuten über den Kochprozess hinaus.
  • Schalten Sie Luftbefeuchter oder Zimmerspringbrunnen ab. Stellen Sie keine Wasserschälchen auf die Heizung. Nehmen Sie Wasserverdunster vom Heizkörper ab.
  • Trennen Sie sich von Hydrokulturen, eventuell auch von Aquarien.
  • Verringern Sie den Wasserverbrauch beim Duschen, greifen Sie öfter wieder zum Waschlappen.
  • Lassen Sie das Wasser aus der Badewanne und dem Waschbecken sofort ab.
  • Falls sie einen Wäschetrockner mit Kondensationstrocknung nutzen, schließen Sie unbedingt die Tür des Aufstellraumes. Lüften Sie diesen Raum wie oben beschrieben.

Viertens: Möbelstellung beachten!

  • Stellen Sie Möbel möglichst nicht an kalte Außenwände, insbesondere nicht in Außenwandecken hinein. Wenn sich dies nicht vermeiden lässt, halten Sie 10 cm Abstand zur Wand.
  • Stellen Sie die Möbel außerdem auf einen nach vorne und hinten offenen Sockel bzw. einzelne Füße, damit die Luftzirkulation nicht behindert wird. In geschlossene Borde lassen sich mit einer Lochkreissäge 4 bis 6 cm große Löcher bohren.
  • Einbaumöbel z.B. für Küchen gehören nicht an zu gering gedämmte Außenwände (eine 36 cm starke Ziegelwand ist zu gering gedämmt!).
  • Legen Sie Matratzen nicht direkt auf kühle Fußböden.

Fünftens: Wärme gezielt einsetzen!

  • Montieren sie möglichst langgestreckte Heizkörper. Langgestreckte Heizkörper verbessern die Behaglichkeit und dienen in kritischen Fällen einer Erhöhung der Oberflächentemperatur der Außenwände. Wenn Sie einen akuten Schimmelpilzbefall in Raumecken haben und eine Wärmedämmung nicht möglich ist, sollte ein langgestreckter Heizkörper bis in die Ecke reichen. Sehr wirksam sind in diesem Zusammenhang Randheizleisten. Helfen kann auch die Abnahme der Sockelleistenabdeckung von Heizungsrohren. Besonders wirksam ist das Aufclipsen von wärmeleitenden Blechen auf den Heizungsrohren, die die Lufterwärmung in der Ecke unterstützen.
  • Denken Sie an eine zusätzliche Wärmedämmung hinter dem Heizkörper. Setzen Sie Heizkörpernischen mit einem Wärmedämmstoff zu. (Wärmedämmung hinter Heizkörpern und in Heizkörpernischen).
  • Bitte beachten Sie bei der Planung einer Heizungsanlage: Unter jedes Fenster gehört ein Heizkörper. In einem Eckzimmer sind zwei Heizkörper besser als einer. Im ungedämmten Altbau sollten die Heizkörper auch vor den kalten Außenwänden angebracht sein. Dazu brauchen Sie großflächige und langgestreckte Heizkörper, die bis in die Raumecken reichen (siehe Welche Heizkörper-Bauart ist günstig? Auswahlkriterien).

Sechstens: Wärme im Raum halten! 

  • Wenn von außen nicht möglich, dann verringern Sie die Wärmeverluste durch eine Innendämmung. Lassen Sie sich nicht irritieren, eine Innendämmung funktioniert ohne Probleme, wenn sie richtig angebracht wird. Die Dämmung bewirkt eine Erhöhung der Oberflächentemperatur der Wand oder der Decke. Dadurch ist eine Kondensation von Wasserdampf auf diesen Flächen ausgeschlossen. Ratsam ist eine teilweise Innendämmung der schimmelpilzbefallenen Flächen, also z.B. in Außenwandecken durch so genannte Dämmkeile. Das gilt auch bei Ziegelwänden mit 36 cm und mehr Stärke.
  • Eine Innendämmung leistet schon mit einer 1 cm starken Platte aus Styrodur oder Polyurethan gute Dienste, besser ist es jedoch wenigstens 2,5 cm einzusetzen. Wie sie eine Innendämmung richtig anbringen, erfahren Sie in Wärmedämmung der Außenwand von innen, Übersicht.

Siebentens: Fensterkippstellung im Winter vermeiden!

  • Im Winter sollten Sie unbedingt das längere Dauerlüften, besonders mit der Kippstellung der Fenster vermeiden. Die Lüftungswirkung ist sehr gering, aber der Wärmeverbrauch kann erheblich sein. Die fensternahen Bauteile wie Sturz, Laibung, Fensterbank kühlen stark aus und sind daher besonders in Bädern, Küchen und Schlafzimmern stark schimmelpilzgefährdet.
Übrigens: Wenn Sie neue Fenster anschaffen müssen, verzichten Sie am besten gleich auf Beschläge mit Kippstellung. So kommen Sie gar nicht erst in Versuchung. Wir empfehlen eine horizontale Teilung des Fensters mit einem feststehenden Drittel unten und einem Drehflügel oben. So kann man die Blumen o.ä. beim Lüften trotzdem stehen lassen. Hilfreich kann auch der Kauf von Fenstern mit einen speziellen Beschlag sein, der eine Spaltlüftung zulässt (Das Fenster ist in dieser Stellung praktisch nicht ganz dicht) siehe auch Glas- und Fensterauswahl-Checkliste

Achtens: Abluftventilatoren einbauen! 

  • Der sicherste Weg Schimmelpilz sicher zu vermeiden, ist die Begrenzung der Luftfeuchtigkeit auf ein unkritisches Maß. Dies ist durch die Fensterlüftung bei hoher Lüftungsdisziplin m.E. möglich, jedoch wird die Zumutbarkeitsgrenze rasch überschritten (Lüftungshäufigkeit).
  • Beschäftigen Sie sich daher einmal mit den Vorteilen einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage ohne Wärmerückgewinnung. Sie werden sehen, die Technik ist einfach, gar nicht so teuer und sorgt für eine überzeugend gute Luftqualität (Lüftung, kontrolliert, ohne Wärmerückgewinnung, Übersicht).
  • Mit Hilfe eines Abluftventilators in Küche und Bad ist in Verbindung mit Zuluftventilen in den Räumen eine wirksame, die Luftfeuchtigkeit reduzierende und Energie sparende Grundlüftung möglich.

Neuntens: Schimmelnahrung vermeiden! 

  • Die Anwendung von speziellen Farben und Grundierungen kann in hartnäckigen Fällen (kalte, nicht gedämmte bzw. dämmfähige Außenwandabschnitte) helfen.
  • Am preiswertesten und sichersten verhalten sich rein Kalkanstriche oder Silikatfarben.


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Datum der letzten Änderung: 23.10.2006 | © by f.nowotka
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